Kurz gesagt: In 17 europäischen Boutique-Studios (über 8.100 Kursbuchungen, Juli 2025 bis Juni 2026) wurden 25,5 % aller Buchungen storniert, und 42,3 % dieser Stornierungen kamen weniger als 24 Stunden vor Kursbeginn. 7,8 % der Buchungen, die zu Kursbeginn noch aktiv waren, endeten als No-Show. Bei einem ausgebuchten Kurs mit 20 Plätzen sind das rund 5 Stornierungen, davon etwa 2 kurzfristige, und 1–2 Teilnehmende, die einfach nicht erscheinen.
„Ist es normal, dass so viele nicht kommen?“
Diese Frage stellen sich die meisten Studioinhaber nach einem Abend mit drei leeren Matten in einem ausgebuchten Kurs. Nur haben die No-Show-Zahlen, die im Umlauf sind, selten eine Quelle. Entweder sind sie geschätzt, oder sie stammen von großen Fitnessketten mit ganz anderen Mitgliedern als ein Boutique-Studio.
Deshalb haben wir uns unsere eigenen Daten angesehen: was die Zahlen zeigen, was sie für einen ganz normalen Kurs bedeuten und wie Sie dieselben Kennzahlen für Ihr eigenes Studio berechnen. Konkrete Maßnahmen gegen No-Shows finden Sie in unserem Beitrag So reduzieren Sie No-Shows in Ihren Kursen. In diesem Artikel geht es um die Zahlen.
Die wichtigsten Zahlen aus über 8.100 Kursbuchungen
Unser Studio-Buchungsreport beruht auf 12 Monaten anonymisierter Daten (Juli 2025 bis Juni 2026) aus 17 europäischen Boutique-Studios – Yoga, Pilates, Fitness, Tanz und Kampfsport. Für No-Shows und Wartelisten sind diese Werte relevant:
| Kennzahl | Ergebnis | Was sie Ihnen sagt |
|---|---|---|
| Median-Vorlauf zwischen Buchung und Kursbeginn | 144,5 Stunden (ca. 6 Tage) | Mitglieder planen ihre Woche im Voraus |
| Anteil stornierter Buchungen | 25,5 % | Jeder vierte Platz wird wieder freigegeben |
| Anteil der Stornierungen weniger als 24 Stunden vor Beginn | 42,3 % | Fast die Hälfte kommt, wenn der Platz schwer nachzubesetzen ist |
| No-Show-Quote | 7,8 % | Anteil der Buchungen, die zu Kursbeginn noch aktiv waren |
| Bezahlt mit Guthaben aus Mitgliedschaft oder Zehnerkarte | 55,6 % | Die Mehrheit hat schon vor der Buchung bezahlt |
Wichtig für den Vergleich: Ein No-Show ist eine Buchung, die zu Kursbeginn noch aktiv war, deren Inhaber aber nicht erschienen ist. Stornierte Buchungen zählen nicht mit. Und der Wert stammt nur aus Studios, die die Anwesenheit erfassen – ohne Anwesenheitserfassung lässt sich ein Teilnehmer nicht von einem leeren Platz unterscheiden.
Was bedeuten die Zahlen für einen Kurs mit 20 Plätzen?
Übertragen auf einen ausgebuchten Kurs mit 20 Plätzen sieht der Durchschnitt so aus:
- Rund 5 der 20 Buchungen werden storniert (25,5 % von 20 = 5,1).
- Etwa 2 dieser 5 Stornierungen kommen weniger als einen Tag vor Beginn (42,3 % von 5,1 = 2,2). Die übrigen 3 kommen rechtzeitig.
- 1–2 der zu Kursbeginn noch Gebuchten erscheinen nicht (7,8 % von 15–20 aktiven Buchungen = 1,2–1,6).
Auf 100 Buchungen gerechnet sind das grob 25 Stornierungen, davon rund 11 kurzfristige, und etwa 6 No-Shows. Die Werte stammen aus leicht unterschiedlichen Teilen des Datensatzes, lesen Sie sie also als Größenordnungen. Das Bild ist trotzdem eindeutig: Kurzfristige Stornierungen sind eine größere Lücke als No-Shows, fast doppelt so groß.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die beiden Lücken unterschiedlich schließen lassen. Aus einer kurzfristigen Stornierung kann noch eine neue Buchung werden, wenn jemand auf der Warteliste rechtzeitig Bescheid bekommt. Einen No-Show rettet keine Warteliste, denn den bemerken Sie erst, wenn der Kurs schon läuft.
Warum wird jede vierte Buchung storniert?
25,5 % klingt viel, passt aber zum Median-Vorlauf von 144,5 Stunden: Die typische Buchung entsteht etwa sechs Tage vor dem Kurs, und in sechs Tagen kann viel passieren. Ein krankes Kind, ein zusätzlicher Termin, eine Erkältung. Stornierungen sind eine natürliche Folge davon, dass Mitglieder weit im Voraus buchen – kein Zeichen von Gleichgültigkeit.
Deshalb ist die Stornoquote allein auch nicht das, was Sie am meisten kostet. Ein Platz, der fünf Tage vorher frei wird, hat genug Zeit, neu gebucht zu werden. Es ist der Zeitpunkt, der wehtut.
Kurzfristige Stornierungen sind das eigentliche Problem
Wenn 42,3 % der Stornierungen weniger als 24 Stunden vor Beginn eingehen, kommt fast die Hälfte der freigegebenen Plätze zu einem Zeitpunkt, an dem sie schwer nachzubesetzen sind. Ein Platz, der am Vorabend frei wird, füllt sich selten von allein.
Achten Sie auf das Zusammenspiel mit Ihrer Stornofrist. Bei einer Frist von 12 Stunden ist eine Stornierung 15 Stunden vor Beginn nach Ihren Regeln rechtzeitig – aus Sicht der Warteliste aber trotzdem spät. Sehr kurze Fristen erzeugen Lücken in letzter Minute, die niemand mehr füllen kann. Messen Sie deshalb, wann Ihre Stornierungen eingehen, nicht nur wie viele es sind. Wie Sie die passende Frist wählen, erklären wir im Leitfaden gegen No-Shows.
Spielt es eine Rolle, wie Mitglieder bezahlt haben?
55,6 % der Buchungen im Report wurden mit Guthaben aus einer Mitgliedschaft oder einer Zehnerkarte bezahlt. Die Mehrheit hat also bezahlt, bevor sie bucht. Das ist gut für die Liquidität, verändert aber auch, was das Fernbleiben das Mitglied kostet.
Bei einer Zehnerkarte verfällt bei einem No-Show in der Regel ein Besuch. Bei einer Flatrate-Mitgliedschaft kostet das Fernbleiben im Moment nichts, und eine Buchung, die sich kostenlos anfühlt, lässt man leichter sausen. Der Report schlüsselt die No-Show-Quote allerdings nicht nach Zahlungsart auf. Behandeln Sie das also als Hypothese, die Sie an Ihren eigenen Zahlen prüfen: Trennen Sie Ihre No-Show-Quote nach Mitgliedschaft, Zehnerkarte und Einzelbuchung und schauen Sie, ob es einen Unterschied gibt. Mehr zu den beiden Modellen lesen Sie in Mehrfachkarte oder Mitgliedschaft.
So messen Sie Ihr eigenes Studio
Wer sich mit dem Report vergleichen will, muss genauso rechnen. Das sind fünf Kennzahlen und ihre Formeln:
| Kennzahl | Formel | Hinweis |
|---|---|---|
| Stornoquote | Stornierte Buchungen ÷ alle Buchungen × 100 | Alle Buchungen des Zeitraums zählen, auch später stornierte |
| Anteil kurzfristiger Stornierungen | Stornierungen unter 24 Stunden vor Beginn ÷ alle Stornierungen × 100 | Nehmen Sie 24 Stunden, auch wenn Ihre eigene Frist anders ist |
| No-Show-Quote | No-Shows ÷ (Erschienene + No-Shows) × 100 | Setzt Anwesenheitserfassung voraus; Stornierungen zählen nicht |
| Wartelisten-Konversion | Plätze aus der Warteliste mit Erscheinen ÷ über die Warteliste vergebene Plätze × 100 | Nicht im Report enthalten – hier sind Sie Ihr eigener Maßstab |
| Auslastung | Erschienene ÷ verfügbare Plätze × 100 | Messen Sie die tatsächliche, nicht die gebuchte Auslastung |
- Messen Sie über 30 oder 90 Tage, nicht über eine Woche. No-Show-Quoten schwanken stark. Schauen Sie auf den rollierenden Wert und reagieren Sie nicht über, nur weil eine Woche schlecht war.
- Kleine Zahlen sind unsicher. Bei 100 Buchungen im Monat beträgt der Unterschied zwischen 8 % und 10 % No-Shows genau zwei Personen.
- Schlüsseln Sie die Zahlen auf – nach Kurs, Uhrzeit, Kursleitung und Zahlungsart. Ein Gesamtwert verdeckt, wo das Problem tatsächlich liegt.
Rechenbeispiel: ein Studio mit 40 Kursen à 20 Plätze in einem Monat
- Plätze insgesamt: 40 × 20 = 800
- Buchungen insgesamt: 700, davon 175 storniert → Stornoquote 25,0 % (175 ÷ 700)
- Stornierungen unter 24 Stunden vor Beginn: 77 → Anteil kurzfristiger Stornierungen 44,0 % (77 ÷ 175)
- Aktive Buchungen zu Kursbeginn: 700 − 175 = 525, davon 42 No-Shows → No-Show-Quote 8,0 % (42 ÷ 525)
- Erschienen: 525 − 42 = 483 → Auslastung 60,4 % (483 ÷ 800)
- Über die Warteliste vergebene Plätze: 40, davon 26 mit Erscheinen → Wartelisten-Konversion 65 % (26 ÷ 40)
Die Zahlen sind für das Beispiel erfunden. Die Rechenweise entspricht der im Report.
Ihre Zahlen im Vergleich zum Report
Hier stehen die Werte des Beispielstudios neben denen des Reports. Setzen Sie Ihre eigenen ein. Die rechte Spalte zeigt, wo Sie bei deutlichen Abweichungen hinschauen sollten:
| Kennzahl | Report | Ihr Wert (Beispiel) | Deutlich darüber? Hier prüfen |
|---|---|---|---|
| Stornoquote | 25,5 % | 25,0 % | Kann man bis zum Kursbeginn kostenlos stornieren? Wird ungewöhnlich weit im Voraus gebucht? |
| Anteil kurzfristiger Stornierungen | 42,3 % | 44,0 % | Ist Ihre Frist kurz, unklar oder wird sie nicht durchgesetzt? |
| No-Show-Quote | 7,8 % | 8,0 % | Bekommen Mitglieder eine Erinnerung? Kostet ein No-Show etwas? |
| Wartelisten-Konversion | Nicht erhoben | 65 % | Kommt das Angebot zu spät oder über einen Kanal, den niemand sieht? |
| Auslastung | Nicht erhoben | 60,4 % | Ist das eher ein Kursplan- als ein No-Show-Problem? |
Ein paar Prozentpunkte über oder unter dem Report sind nicht unbedingt ein Problem. Liegen Sie deutlich darüber, etwa bei doppelt so vielen No-Shows, lohnt sich ein genauerer Blick. Der Report ist ein Orientierungswert, keine Vorgabe: Ihre Zahlen hängen von Kursformaten, Preismodell und Jahreszeit ab.
Sehen Sie sich auch die Auslastung im Beispiel an. No-Shows kosten 42 von 800 Plätzen, also rund 5 Prozentpunkte. Der Rest der Lücke sind Plätze, die nie gebucht wurden. Ist Ihre Auslastung niedrig, prüfen Sie zuerst den Kursplan, bevor Sie die Regeln verschärfen.
Was bringt eine Warteliste für die Auslastung?
Eine Warteliste senkt die Zahl der No-Shows nicht. Sie macht aus Stornierungen neue Buchungen, und sie wirkt nur bei ausgebuchten Kursen. Nehmen wir wieder den Kurs mit 20 Plätzen und seinen rund 5 Stornierungen – 3 rechtzeitig, 2 weniger als einen Tag vor Beginn:
| Szenario | Aktive Buchungen zu Beginn | Erschienen (nach 7,8 % No-Shows) | Auslastung |
|---|---|---|---|
| Keine Warteliste, niemand bucht die frei gewordenen Plätze | 15 | ca. 14 | ca. 70 % |
| Warteliste füllt die 3 frühen und 1 der 2 späten Plätze | 19 | ca. 17–18 | ca. 85–90 % |
Die Annahmen darüber, wie viele Plätze die Warteliste füllt, sind unsere eigenen und dienen nur der Veranschaulichung. Die Aussage bleibt: Bei einem beliebten Kurs kann eine funktionierende Warteliste den Unterschied zwischen 14 und 17–18 Teilnehmenden ausmachen – ohne ein einziges neues Mitglied.
Ob die Warteliste einen Platz noch füllt, hängt vor allem vom Zeitpunkt ab. Ein Platz, der am Vortag angeboten wird, hat deutlich bessere Chancen als einer, der 90 Minuten vor Beginn frei wird. Gleichzeitig zeigt der Report, dass es kurz vor Kursbeginn Nachfrage gibt: 16,0 % der von Mitgliedern selbst getätigten Buchungen entstehen weniger als 24 Stunden vor dem Kurs. Ein spät frei gewordener Platz kann also durchaus neu vergeben werden, wenn jemand rechtzeitig davon erfährt.
Der Report erhebt keine Wartelisten-Konversion, deshalb gibt es hier keinen Vergleichswert. Messen Sie Ihren eigenen Wert über ein paar Monate und beobachten Sie, ob er steigt, wenn Plätze früher frei werden.
Über die Daten
- Zeitraum und Umfang: 12 Monate (Juli 2025 bis Juni 2026), 17 europäische Boutique-Studios, über 8.100 Kursbuchungen.
- Anonymisiert: Alle Werte sind über alle Studios zusammengefasst. Weder einzelne Studios noch Mitglieder oder Buchungen sind erkennbar, und die Werte beziehen sich auf die Gesamtheit der Buchungen, nicht auf einen Durchschnitt pro Studio.
- Abgrenzung: Der Buchungsvorlauf ist auf Buchungen berechnet, die Mitglieder selbst getätigt haben; automatisch erzeugte Buchungen für Fixplätze sind ausgeschlossen. Die Stornowerte umfassen 16 Studios, die No-Show-Quote nur die 9 Studios, die Anwesenheit erfassen.
- Grenzen: 17 Studios sind eine kleine Stichprobe, überwiegend nordisch geprägt und in Boutique-Größe. Große Ketten und Studios in anderen Teilen Europas können andere Muster sehen. Der Report schlüsselt die No-Show-Quote nicht nach Kursformat, Uhrzeit oder Zahlungsart auf.
Der Report wird einmal im Jahr aktualisiert.
Zitieren erlaubt: Alle Zahlen aus dem Report dürfen mit Quellenangabe frei zitiert und übernommen werden. Nennen Sie „Class Booking studio booking report 2026“ und verlinken Sie auf class-booking.com/de/resources/studio-booking-report. Eine Genehmigung ist nicht nötig.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist eine normale No-Show-Quote bei Kursen?
In 17 europäischen Boutique-Studios lag die No-Show-Quote bei 7,8 %, gemessen als Anteil der zu Kursbeginn noch aktiven Buchungen, bei denen das Mitglied nicht erschienen ist. Der Wert stammt aus Studios mit Anwesenheitserfassung; stornierte Buchungen zählen nicht mit.
Wie viele Stornierungen sind normal?
25,5 % aller Kursbuchungen im Datensatz wurden storniert, also etwa jede vierte. 42,3 % dieser Stornierungen kamen weniger als 24 Stunden vor Kursbeginn – und genau diese Plätze sind am schwersten nachzubesetzen.
Wie berechne ich meine No-Show-Quote?
Teilen Sie die Zahl der No-Shows durch die Summe aus Erschienenen und No-Shows und multiplizieren Sie mit 100. Waren zu Kursbeginn 525 Buchungen aktiv und sind 42 davon nicht erschienen, liegt Ihre No-Show-Quote bei 8,0 %. Messen Sie über mindestens 30 Tage.
Hilft eine Warteliste gegen No-Shows?
Nicht direkt. Eine Warteliste füllt stornierte Plätze, aber einen No-Show bemerken Sie erst nach Kursbeginn – dann ist es zu spät, den Platz weiterzugeben. Die Warteliste wirkt am besten, wenn Stornierungen rechtzeitig eingehen, und nur bei ausgebuchten Kursen.
Darf ich die Zahlen zitieren?
Ja, frei und ohne Genehmigung, mit der Quellenangabe „Class Booking studio booking report 2026“ und einem Link auf den Report.
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